A picture of a book

Alles aufschreiben

February 6, 2026, by Angela Rogers

Julie Camerons „The Artist Way“ war eine Pionierin dieses jopurnalen, drucklosen Stils.

Tagebuchschreiben muss nicht tiefgründig sein. Es braucht keine Vorgaben, keine Struktur, keine kunstvoll formulierten Sätze. Manchmal sind es einfach nur die Gedanken – ungefiltert und unzensiert, genau so, wie sie kommen. Und genau darin liegt die Kraft.

Es ist ungemein befreiend, Gedanken aus dem Kopf aufs Papier zu bringen. Der Geist kann überfüllt, laut und aufdringlich sein. Schreiben schafft Freiheit. Es ist wie ein leises Ausatmen, eine Möglichkeit, Raum zu schaffen, ohne Antworten oder Schlussfolgerungen zu benötigen. Es muss nicht logisch sein – man muss einfach nur schreiben.

Diese Art des Tagebuchschreibens ist gleichermaßen persönlich und praktisch. Ein Bewusstseinsstrom vor dem Schlafengehen. Eine Liste von Sorgen. Eine unausgereifte Idee. Ein Gefühl, das man noch nicht benennen kann. Auf dem Papier verlieren diese Fragmente ihre Schwere. Was überwältigend schien, wird bewältigbar, ja sogar vorübergehend.

Sich diese Auszeit zu gönnen, hat etwas subtil Luxuriöses. Keine Performance. Kein Publikum. Nur Stift, Papier und Ehrlichkeit. In einer Kultur, die von Produktivität und Perfektion besessen ist, wirkt Tagebuchschreiben erfrischend unkonventionell. Unordentliche Handschrift, durchgestrichene Gedanken, unverfälschte Emotionen – alles ist willkommen.

Mit der Zeit werden die Seiten zu einem stillen Archiv deines inneren Lebens. Kein Tagebuch für die Zukunft, sondern ein Werkzeug für die Gegenwart. Du schläfst besser. Denkst klarer. Trägst weniger mit dir herum.

Denn Tagebuchschreiben muss dich nicht verändern. Es muss dich lediglich lange genug festhalten, damit deine Gedanken loslassen können.