Sie flüsterten, weil sie wussten, dass sie kommen würde, noch bevor sie sie sahen.
Die Stadt würde den Duft als Erste wahrnehmen, den Duft von rosa Grapefruit und Neroli, der wie Sonnenlicht, das über den Bergrücken bricht, durch die Luft wehte und Staub und Eisen durchdrang. Alle Blicke würden sich zur Straße wenden. Dann erschien Elera, langsam und stetig reitend, die Berge am Horizont hinter ihr, ihre gescheckte Stute Ginger trittsicher unter ihr.
Sie war die Duftbringerin.
An ihrer Hüfte hing eine abgenutzte Ledertasche. Darin, in abgenutzten Kaliko gehüllt, befanden sich kleine, mit Korken verschlossene Glasfläschchen. Jedes enthielt einen sorgsam gesammelten Duft, den sie nicht nur zum Tausch, sondern aus einem bestimmten Grund mit sich führte. Sie hatte gelernt, welchen Duft sie wann anbieten musste. Solche Weisheit erlangte sie durch Erfahrung.
Sie ließ sich am Stadtrand nieder, wo es ruhiger war. Aus ihrer Tasche holte sie eine Flasche. Rosa Grapefruit blitzte hell auf, gefolgt von der klaren Bitterkeit des Neroli, ein Duft für Neuanfänge, für jene, die am Scheideweg standen. Später kamen Jasmin und Veilchen hinzu, abgerundet mit einem Hauch Kokosnuss, ein Genuss für jene, die leise oder gar nicht sprachen.
Als der Abend hereinbrach und die Berge in dunkle Schatten getaucht wurden, breitete Elera ihre Tarotkarten auf einem verblichenen Tuch aus. Ein weiterer Korken wurde vorsichtig entfernt. Vetiver stieg langsam und trocken empor, verwurzelt wie die Erde selbst, während Tonkabohne die Luft wie Glut unter Asche erwärmte. Die Menschen beugten sich näher heran. Die Wahrheit fand ihren Weg, wenn der Boden unter den Füßen fest schien.
Sie sprach sanft, las aufmerksam und hörte am aufmerksamsten zu. Der Duft veränderte sich mit den Karten und breitete sich im jeweiligen Raum aus, als hätte er auf jeden Einzelnen gewartet.
Bei Tagesanbruch war sie bereits verschwunden.
Nur die schwache Erinnerung an Wärme blieb, auf der Haut, in den Gedanken, in dem Gefühl, als schienen die Berge ein wenig näher als in der Nacht zuvor. Weit entfernt ritt Elera weiter, die verkorkten Flaschen still in ihrer Tasche, den Duft und die Weisheit von Stadt zu Stadt tragend, dem langen Licht des Westens folgend.