Nima und Greta kamen im Sommer immer hierher zurück.
Sie fuhren frühmorgens von Paris herunter, die Stadt verschwand hinter ihnen, bis nur noch offene Straßen, Felder und kleine sonnenbeschienene Dörfer übrig blieben. Greta saß am Fenster und beobachtete, wie sich alles langsam veränderte, so als würde die Welt selbst ihre Schultern lockern. In den Dörfern hielten sie an, um Wein, Olivenöl und Vorräte zu besorgen.
Wenn sie ankamen, erwartete sie die Villa immer auf die gleiche Weise: blasser, von der Sonne erwärmter Stein, verblichene blaue Fensterläden und Zedernbäume, die das schwindende Licht in einem ruhigen Kreis um den Garten und den Pool beschatteten. Und in der Mitte der Feigenbaum, weich und beweglich, dessen blasse Blüten wie süßer Saft durch die Luft schwebten, einladend.
Ihre Sommer fielen in einen einfachen Rhythmus.
Hier haben sie mehr gelacht. Nicht ständig, aber in plötzlichen Ausbrüchen, beim Kochen in der alten Küche, wenn etwas verschüttet wurde, wenn ein Witz unerwartet in der warmen Abendluft landete. Nima zog Greta damit auf, dass das Brot angebrannt war, und Greta tat so, als wäre sie beleidigt, aber sie lächelte auch.
Danach blieben sie so lange draußen, wie es der sich verdunkelnde Nachthimmel zuließ, redeten oder schwiegen und ließen die Nacht sanft um sich herum hereinbrechen. Die Luft kühlte sich vom Tag und der vibrierenden Natur um sie herum ab.
Greta hat dort viel gelesen. Aufgeschlagene Bücher auf ihrem Schoß, deren Seiten sich in der Hitze langsam umblätterten. Manchmal las sie einen Satz, der ihr gefiel, laut vor, ohne eine Antwort zu erwarten, sie wollte nur, dass er in der Luft zwischen ihnen existierte.
Sie machten auch lange Spaziergänge, auf staubigen, von Zypressen und Wildblumen gesäumten Wegen, der Geruch von Zedern verfolgte sie wie ein Geist. Nima ging ein Stück voraus, Greta hinterher, dann neben ihr, dann wieder abdriftend, nie ganz still, aber immer zusammen.
Und immer, immer wartete der Feigenbaum zurück in der Villa und hielt den Mittelpunkt ihrer Tage wie eine stille Oase.
Die Zeit verging viel zu schnell, und jeder Sommer hatte sein Ende.
Wenn es Zeit war zu gehen, wurde Greta immer ruhiger. Das Packen ging langsam und widerwillig vonstatten. Sie blieb länger als nötig im Garten stehen, betrachtete die Lilien, die Veilchen, den blassgrünen Duft des jetzt unfruchtbaren Feigenbaums, als wolle sie sich daran erinnern, wie sich die warme Luft auf ihrer Haut anfühlte.
Auf der Fahrt zurück nach Paris weinte sie oft.
Nicht laut. Nur leise Tränen, die sie zu verbergen suchte, indem sie ihr Gesicht zum Fenster wandte, wo die Landschaft bereits weniger weich, weniger langsam wurde.
"Ich will nicht, dass es aufhört", sagte sie manchmal mit unhörbarer Stimme.
Nima hielt eine Hand am Lenkrad, die andere suchte kurz Gretas Hand.
"Ich weiß", würde sie antworten.
Und trotzdem gingen sie weg.
Aber jedes Jahr kamen sie wieder, denn zwischen dem Lachen, den langen Abendessen am Pool, dem stillen Lesen und den Spaziergängen im Schatten der Zedern war die Villa mehr als nur ein Ort geworden.
Es war zu einem Ort geworden, an dem sich die Sommer anfühlten, als würden sie ewig dauern, auch wenn sie es nicht taten.